Archive for the ‘Leben, Universum und der ganze Rest’ Category

Onsen

Monday, August 23rd, 2010

Onsen sind im Prinzip ‘ne tolle Sache. Allerdings nicht immer, was die Japse ‘draus machen.

Der Japaner liebt es bequem und praktisch, deswegen gibt es die ganzen Konbinis oder auch die Schlaufen in den Ecken des Bettbezuges, mit denen man die Decke innerhalb des Bezuges fixieren kann, so daß die Decke bei Bewegung nicht immer nur zur Hälfte aus einem Klumpen Decke und einer Hälfte Bezug besteht.

Im Fall Onsen bedeutet praktisch und convenient, daß über ein Onsen schnell ein Ryokan gebaut werden muss, mit Zufahrtsstraße, Parkplatz, Tatamizimmer, lecker Frühstück undsoweiterundsofort. Praktisch bedeutet nicht, daß der Ryokan gut aussehen muss. Ein Klotz aus Beton ist völlig in Ordnung.

Nach der Hollandsache war ich noch in Österreich, schoss ein paar Fotos und zeigt diese der hzB, welche die ländliche, touristisch geprägte Umgebung mit dem Wort “kitschig!” kommentierte. Das brachte mich fast zur Weißglut. JA TOLL. Vielleicht kitsch, aber immerhin mal kein Beton zur Abwechslung. Besser Kitsch als Beton. Oder?

Ich warte ja noch ‘drauf bis irgendwann mal ‘n Japaner nach Österreich fährt, und sich beim Hotel beschwert, er halte diese verdammten, geschmückten Balkons und die gepflegten Vorgärten nicht mehr aus, ob sie nicht vielleicht ein Zimmer mit Blick auf eine puffartig aussehende Leuchtreklame vor einer Betonwand hätten. Oder wenigstens am Rand ein Haus aus Wellblech, mit leicht verrosteten Wänden. Er habe so Heimweh.

Wird natürlich nie passieren. Honne und Tatemae und so. Ich denke aber, der Ruhrpott könnte hier eine Marktlücke für sich entdecken. Obwohl, daß ist ja mittlerweile auch alles viel zu schön geworden…

Zurück zum Onsen. Die Ver-Ryokanisierung nervt wegen noch anderen Dingen. Zum Einen ist die Übernachtung oft ziemlich teuer. Zwar gibt es manchmal auch die Möglichkeit als Nichtübernachter nur das eigentliche Onsen zu besuchen. Da wiederum kommt dann aber wieder Punkt 2 zu tragen, die erzkonservative Sexualmoral in Japan.

Glaubt Ihr nicht, wo Samurai-Biker und Co. Euch mit den ganzen Fickeldifotzpostings heiß machen und dann die ganze Sache mit den used-panty-Automaten…

Ist alles Bullshit. Manches wirkt vielleicht auf den ersten Blick offen und locker, aber dahinter verbirgt sich ein kompliziertes Regelwerk, daß im Zweifelsfall konservativer ist, als der amerikanische Mittelwesten. Zum Beispiel, ja Hotpants sind ok, auch im Winter, aber wehe es die Dame zeigt auch nur _winzigst_ etwas Bauch. Die Schlampe!

Wenn ich z.B. die hzB nach längerer Zeit am Bahnhof wieder treffe …

Irgendwie passieren mir solche Sätze einfach. Ich kann nichts dafür. Völlig unbeabsichtigt.

Ich leite nochmal neu ein.

Wenn ich mal wieder nach Tokyo pendel’ und die hzB wieder treffe und beherzt drücke, dann gibt es lauten Protest, denn _Umarmen_ und _Küssen_ an einem Fernbahnhof in der Öffentlichkeit, nein, daß geht nun wirklich nicht. Sowas Peinliches. [wenn ich das überspringe hängt natürlich auch der Haussegen schief, aber das ist eine andere Geschichte].

Ich hole immer sehr lange aus, der Punkt sind die Onsens. Also ein gemeinsames Bad im Onsen ist unmöglich. Weil man ist ja da nackt. Und dann die ganzen japanischen Perversen. Das kann nicht funktionieren.

Nicht, daß man mich jetzt in irgendsoeine Nudistenecke stellt. Aber es nervt, wenn man die hzB ‘eh die Woche nicht gesehen, den Sonntag mit einem Onsenbesuch verbringt, hinfährt, ‘rein, und nach ein paar Stunden “Und wie war’s? Ja gut” und fertig und Montag und blah.

Na gut, wenn man die vierzig überschreitet und die Ehe nur noch aus purem Haß besteht, dann mag das genau die Art von Ausflug sein, die für einen freien Sonntag paßt (Mo-Sa kann man der Ehefrau durch Arbeit ausweichen, und Sonntag dann mit sowas ersetzen), aber nun sind wir (noch?) (glücklicherweise? noch?) (au! aua!) nicht an diesem Zustand angelangt.

Es gibt einen Ausweg. Wilde Onsens. Wild heißt, man muss dahin _laufen_. Da ist klar, daß da so gut wie kein Japaner einfach mal eben dahinkommt. Dann ist es ja in der freien Natur und hazukashii und blablabla und daß hält nochmal ordentlich Menschen ab.

Und so haben wir uns aufgemacht. Fiese Fahrt in die Pampa schon ansich. Dann fieseste Straße überhaupt. Links steil nach unten, rechts steil nach oben. Keine Leitplanke. Breite der Straße geeignet für ein Auto. Bei Gegenverkehr rückwärts bis zur nächsten Notbucht. Bei zuviel Regen Sperrung der Straße wegen Steinschlags. Umkurven und Wegräumen von fiesesten Steinbrocken. Auf der Rückfahrt lagen neue da. Bei einer falschen Handbewegung und verreißen des Lenkrads sicherer Tod. Keine Angst. Ich wohne in der Präfektur, ich bin Profi.

Hier geht's rein

Exzellent! Danach eine Stunde etwas locker Spazierengehen (für Japaner: Wandern). Und wildes Onsen. D.h. gar nicht so wild. Wohl von irgendeinem Freiwilligen/einer Behörde maintaint. Aufgrund mäßigen Wetters wirklich keine Menschenseele. Aufgrund der Lokation auch nicht verbaut.

Und hier geht's runter

Sehr chillig hier zu chillen

Exzellent.

Unberührtes Japan. So wie man sich das in Deutschland vorstellt, mit Samurai und Ninjas und so, da hatte ich dann doch Angst, daß da plötzlich einer aus dem Busch springt. Aber ernsthaft frage ich mich manchmal, wie Japan so vor dem ganzen Boom, vor der ganzen Betonwut, vor dem Aufblähen der Verwaltung, so in den 60ern ausgesehen hat. Es muss ein wirklich fundamental anderes Japan gewesen sein. Ich glaube “Mehr Herz, weniger Beton”, war das nicht ein Slogan von Minshuto? Irgendwas in der Richtung. Es gibt da auch so eine Sammlung von Essays, “Lost Japan” oder so. Ist auf meiner ToDo-Liste sehr weit oben.

Vielleicht bin auch einfach zu nostalgisch. Ich schweife ab.

Anyway, es gibt so Momente wo man noch ein relativ “unberührtes” Japan sieht. Das war einer. Exzellent!

Der Rest kommt in die _Mensa_

Wednesday, July 28th, 2010

Aufgrund des Ausländeranteils sieht man hier abends manchmal Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen in der Mensa speisen.

Je nachdem um welchen Kulturkreis es sich dabei handelt, kommt es dann einem auch manchmal fast hoch.

Yooroppa

Wednesday, July 21st, 2010

Ich war etwa zwei Jahre lang nicht mehr in Deutschland. Neulich besuchte ich die Niederlande und Deutschland zwecks eines Workshops. Dinge, die ich lernte. Ungefiltert.

  • 海外旅行はタイヘンですよ。
  • Es gibt keine Konbinis.
  • im Gegensatz zu den europäischen Drehkreuzen, ist Narita im Prinzip eine Lokalveranstaltung.
  • ANA Stewardessen >> KLM Stewardessen
  • japanische Touristen… argh.
  • In einem Notfall hätte ich doch lieber die Damen von KLM. Die schaffen wenigstens Ordnung unter obiger Klientel. Wenn das Zeichen für “Gurte anlegen”  an ist wegen Turbulenzen, oder wenn gerade Essen ausgegeben wird und der Trolley den Gang blockiert, ist ein schlechter Zeitpunkt aufs Klos zu gehen. Auch wenn Du 45 und in den Wechseljahren bist, aber trotzdem ständig Kaffee säufst und dann geschätzt alle 10 Minuten musst.
  • 50+, weiblich, kanemotchi aber dann doch nicht so reich, daß Businessclass, ist je nach Tagesform eine gefährlichere Kombination als ein Frauenkegelverein am Sonntag in einem Regionalexpress und eine Kiste Feigling. Wie kann man sich nur bei ca. 11 Stunden Flug 8 Stunden _ununterbrochen_ unterhalten? In dieser Lautstärke? Auch wenn alle anderen schlafen? Oder essen? Oder einen Film schauen? Oder…
  • Europa ist so _unpraktisch_ und unnötig kompliziert. Um in einen Bus einzusteigen muss ich erst an der verdammten Fahrkartenuniversität einen Bachelor in Tarifzonenberechnung machen. Und wenn ich denn einsteige und den Namen meiner Zielstation aber die Strecke nicht kenne, wie soll ich dann bitte ‘rausfinden, wo ich aussteigen muss, wenn kein Display im Bus ist und der Fahrer die Stationsnamen auch nicht ansagt? Hat sich da mal jemand _Gedanken_ zu gemacht? Macht man da wirklich so viel mehr Gewinn mit, als einfach _einen_ Preis festzusetzen?
  • keine Konbinis
  • Busfahrer, ob Mann oder Frau, sind in Europa im Prinzip grundsätzlich Arschlöcher. Ich glaube, daß ist Einstellungsvoraussetzung. Wer kein Arschloch ist, darf auch nicht Busfahrer werden. Fett sein hilft auch. [1]
  • Fahrkartenautomaten in den Niederlanden können kein Scheingeld verarbeiten. Meine EC-Karte hatte eine Quote von 1/3, manchmal klappt es, manchmal nicht.
  • Fahrkartenautomaten in Deutschland nehmen manchmal meine EC-Karte an, manchmal auch nicht (meine Vermutung: Der Magnetstreifen ist hinüber und den Chip können nicht alle auslesen. Wie kann ich das jetzt prüfen???). Und maximal 10 Euro-Scheine.
  • Yen in 50 Euro Scheine zu tauschen ist keine passende Reisevorbereitung.
  • In den Niederlanden sprechen die Penner besser Englisch als ein durchschnittlicher Universitätsabsolvent in Japan.
  • Es ist, je nach Lokation und Tageszeit, mehr oder weniger unmöglich in der Innenstadt eine _gekühltes_ Getränk in einer PET-Flasche oder Dose zu erwerben.
  • Erwähnte ich schon, daß es keine Konbinis gibt?
  • Die Leute sind so faul. Niemand arbeitet am Wochenende. Landet man an einem Samstagabend und ist keine Tanke in der Nähe… kann man im Prinzip Leitungswasser bis Montag trinken.
  • Das ist aber gar nicht so schlecht, wenn man seine Zahnbürste vergessen hat, denn die kann man ja auch erst am Montag kaufen.
  • Die Menschen in den Niederlanden und in Deutschland können nicht kochen. Sie legen auch überhaupt kein Wert auf Essen.
  • es gibt keine Misoshiro. Die gibt es bestimmt sogar auf Hawaii
  • es gibt keine Aircons
  • es gibt keine Konbinis
  • Die Menschen in Europa sind fett
  • Insbesondere die Frauen
  • und kleiden sich absolut stillos.
  • Insbesondere die Fetten schämen sich noch nichtmal für Ihre Fettheit und versuchen gar nicht erst mit geschickter Auswahl von Kleidung ihre Fettheit zu verstecken
  • Wenigstens muss man den Anblick dieser aber in Konbinis nicht ertragen. Wieso? Es gibt nämlich keine!
  • Die Frauen haben riesige Brüste
  • und zeigen das auch ganz offen
  • das & fett & Schwerkraft: -
  • aber die nicht-Fetten!  +
  • das Leben in Deutschland, insbesondere in einer Mittel- oder kleinen Großstadt wirkt um den Faktor 10 entschleunigt
  • der Bahnhof in Wuppertal ist in etwa so, wie man sich Wladiwostock vor der Wende vorstellt [2]
  • und es gibt auch keine Konbinis dort.
  • der Bahnhof in Duisburg dagegen ist überraschend modern und angenehm
  • trotzdem fehlen dort Konbinis
  • es gibt ordentliches Toilettenpapier. Das hatte ich ganz vergessen. Wieso ist das in Japan so dünn, daß man zehnmal falten muss, um nicht “durchzugreifen”?
  • Japanische Grenzbeamte sind zu Ausländern freundlicher als niederländische Grenzbeamte zu (EU)-Inländern.
  • Die Menschen in Europa sind weitestgehend asozial. In der originären Wortdefinition. Zum Beispiel läßt man seinen Müll dort fallen, wo man gerade steht. Dementsprechend sehen die Städte aus.
  • Subways!!!
  • ES GIBT KEINE KONBINIS!!!

Final Punchline? Sorry, heute nicht…

Allerdings, jenseits des Obigen, alles in allem, erschien mir das Leben in Deutschland irgendwie plötzlich ziemlich streßfrei und locker…

[1] diese pauschalen Anschuldigungen sind unfair. Ich entschuldige mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den netten Busfahrerinnen und Busfahrern für meine harten Worte. Bei beiden.

[2] eine große Entschuldigung an alle Leser die in Wladiwostock wohnhaft sind oder aus der Gegend kommen. Ich bin mir sicher, daß der wladiwostocksche Bahnhof auch vor der Wende sicher schon schöner war als der in Wuppertal heute.

Thanks, Captain Obvious!

Wednesday, June 2nd, 2010

We have been reported that some acts of persuading students to join a religious group are seen around the Student Housings.  We consider the group as a Cult.
Once you join a cult group, there is the danger that you will be subject to manipulative mind control techniques, and that you will bear a burden psychologically and financially. You will eventually waste so much time and ruin your student life.

Gut, daß diese Warnmail verschickt wurde. Ich hätte sonst mitgemacht.

Manchmal… Ich habe irgendwo mal gelesen, MacArthur habe gesagt, man müsse die Japaner wie Kinder behandeln, dann käme man mit Ihnen klar… allerdings: Extrapunkt für die Alliteration. “Manipulative Mind Control Technique” klingt geil. Fast schon so cool wie “Five Point Palm Exploding Heart Technique”. Letztere üben wir übrigens morgen im Seminar. Sind ja hier nah’ dran, an den Weisheiten des Ostens…

JR West, meine Helden

Monday, May 24th, 2010

nochmal in Bezug auf das Posting über die Bahn: Nachdem ich heute für meinen “Heimweg” von Tokyo nach K-Stadt statt der lt. Verbindung 3 Stunden und 59 Minuten satte 8 Stunden und 34 Minuten benötigte, hat JR-West bei mir jeglichen Kredit verspielt.

!”§%@&$%

Thursday, May 20th, 2010

Ich mach viel Spaß in diesem Blog, vieles was ich poste ist nicht so ganz ernst gemeint und ich liebe es, mich künstlich über etwas aufzuregen.

Es gibt allerdings auch so eine richtig hässliche Seite in Japan, die man manchmal, aber nur manchmal zu spüren bekommt.

Es gibt z.B. Debito, ein Human-Rights-Aktivist (einfach googeln), der bei jedem Kleinscheiss auf seiner Seite schreibt “Hilfe, hilfe, als Ausländer wurde ich diskriminiert”. Und es gibt andere, die sich über Debito lustig machen und behaupten, es würde in Japan überhaupt keine Scheiss geben.

Ich hatte vorher schon rumgelesen, und nach allem was man so hört, sind unter anderem Co-Signing beim Wohnungseinzug (in Japan benötigt man üblicherweise einen Bürgen, der den Mietvertrag mitunterzeichnet) und Kreditkarten so die Dinge, die für Ausländer oft unüberwindliche Hürden darstellen.

Mich hat es jetzt mal erwischt mit Nr. 2. Mein Kreditkartenantrag wurde abgelehnt.

Ohne jetzt groß über meine persönlichen Verhältnisse zu schreiben – es gibt dafür wirklich keinen rationellen Grund. Natürlich wurde mir auch keiner genannt.

Weil ich Ausländer bin?

Hm. In diesem Fall komme ich auch nach längerem scharfen Nachdenken auf keinen anderen. “Wir” sind halt sehr unzuverlässig und stellen ein zu hohes Kreditrisiko dar… oder so…

Ist das jetzt eine Tragödie? Sicher nicht. Aber wer öfter fliegt, der versteht sicherlich auch, wieso das ein ziemlich nerviges Problem ist…

Klimaanlage

Friday, April 30th, 2010

Vor kurzem wurden (endlich) Klimaanlagen in den Wohnungen hier installiert.

Ich denke, vorher waren wohl deswegen keine installiert, damit man länger im Büro bleibt. Ernsthaft, so hörte ich um ein paar Ecken, wohl eher deswegen, weil vorher viele Studenten irgendwelche Zusatzheizgeräte im Winter nutzten, elektrisch, mit Kerosin, Halogenleuchter… eben den perfekten Suizidinstrumenten, und es tatsächlich im Winter vier- oder fünfmal Feueralarm gab, weil irgendwelche Pansen es geschafft hatten, damit fast ihr Zimmer abzufackeln… naja, heizen mit Klimaanlage ist ja sowieso so ein Thema für sich, aber Atomstrom ist ja billig und hey, in den nächsten Monaten, gar nicht so weit von hier, brütet es wieder schnell…

Service war ja schon Thema des letzten Posting, und Service in Japan ist einfach toll. Fast immer umsonst, d.h. im Kaufpreis mitinbegriffen, wurden auch hier die Anlagen von professionellen Monteueren in professionell schneller Geschwindigkeit professionell installiert. Da kann sich jeder deutsche Handwerker wirklich mal eine Scheibe von abschneiden. Hier die Fotos, auf Kommentare habe ich verzichtet, da die Fotos ja quasi für sich selbst sprechen.

Eine Runde Mitleid für die DB

Monday, April 26th, 2010

Zunächst möchte ich ein paar Dinge vorausschicken: Unten stehender Eintrag wurde von mir im letzten Winter während einer elend langen Zugfahrt verfasst, ist also nicht gerade aktuell. Ich hatte mich damals ob der Unlustigkeit entschieden, sowas nicht zu posten. Da mir nichts Besseres einfällt momentan, hier also die B-Ware. Zum Thema:

Insbesondere bei vielen Touristen, die Japan für eine kurze Zeit besuchen entstehen sehr schnell oberflächliche Eindrücke, die nicht ganz der Realität entsprechen, für diese Touristen aber zementierte Wahrheiten werden.

Weiterhin, und so ist mein persönlicher Eindruck, ist bei länger in Japan verweilenden Personen, die oft viele Anstrengungen, Mühen und Nachteile in Kauf genommen haben um hier zu verweilen, manchmal die Tendenz zu erkennen, sich wirklich alle und jede Sachen in Japan schön- und alle und jede Sache in Deutschland schlecht zureden, eine sehr menschliche Eigenschaft…

Das geht mir manchmal aber auf die Eier. Insbesondere, wenn Japan in den Himmel gelobt wird. Von Leuten die keine Ahnung haben.

Also im Prinzip jeder, mit Ausnahme meiner direkten Vorgesetzten und der hzB.

Auf der anderen Seite war ich jetzt auch schon fast zwei Jahre nicht mehr in Deutschland. Es kann sein, daß ich, beim nächsten Besuch, ob des ersten unhöflichen Wortes eines Mitarbeiters des Service Teams in die Luft gehen und diesen Blogeintrag verteufeln werde.

Nun denn, auf zu dem etwas langatmigen Eintrag:


Die Züge in Japan sind pünktlich, sauber und die Mitarbeiter von Japan Railway sind stets zuvorkommend und höflich.

Das ist das Klischee – und es stimmt auch weitestgehend.

Was mich jedoch ab und zu irritiert, sind Kommentare von Japanreisenden, die das zum ersten Mal erleben und nur die Vorteile des japanischen Bahnsystems sehen, meist noch mit einem frischen Eindruck von irgendeiner chaotischen Situation aus Deutschland.

There is no such thing as free lunch. Typische Binsenweisheit (1), mit gewissem Wahrheitswert. Die Ursachen und Gründe, warum in Japan Bahnfahren angenehm ist, sind vielfälig:

Sauberkeit der Züge. Natürlich sind die Züge in und um Tokyo modern und gepflegt, aber das sind z.B. die Nahverkehrszüge in vielen (reicheren) deutschen Städten auch. Aber auch in kleineren Städten, wo weniger investiert wird, sind die Zugwaggons vielleicht ein bisschen älter und sehen so aus, als hätte der Zahn der Zeit daran genagt – sind dabei aber gepflegt. Der Grund ist einfach, daß in Japan Vandalismus nicht existiert. Es gibt keine Graffiti, es gibt keine Möchtegernkünstler die statt Graffitis nur die Züge mit ihren “Tags” vollschmieren, es gibt keine “Scratcher” und keine Sitzaufschlitzer. Damit einher geht natürlich eine sehr konfliktscheue Gesellschaft oder sagen wir eher, eine Gesellschaft in der Konflikte nicht offen ausgetragen werden. Obwohl so generalisierende Aussagen immer sehr problematisch sind, kann man schon mit Fug und Recht behaupten, daß Autoritäten tendenziell eher akzeptiert und respektiert werden, ohne sie zu hinterfragen. Mit all den sich dadurch ergebenen Vor- und Nachteilen.

Pünktlichkeit der Züge. Zum einen ist es nicht so, daß japanische Züge immer pünktlich sind – besonders nach dem berühmt-berüchtigten Unfall 200X. Und auch plötzlicher Wintereinbrucht stellt die Infrastruktur hier vor Probleme. Wir hatten hier neulich ein bisschen Schnee, siehe Foto – und die Freundin der hzB, die zufällig in meine Heimat, nach K-Stadt aufbrach, brauchte 7 Stunden hierhin – 4 Stunden dauert die Verbindung normalerweise. Das ist ein Extremfall – aber auch ich hatte schon 45 Minuten Verspätung zur Silverweek, das Posting schreibe ich momentan im Zug und der hat, aufgrund des Wintereinbruchs und diverser Kleinigkeiten auch wieder 15 Minuten Verspätung.

Ein bisschen Schnee

Im Vergleich zu den Problemen in Deutschland ist das natürlich immer noch sehr akzeptabel. Es kommen aber noch ein paar Unterschiede hinzu:

Das japanische Schienennetz weist lange nicht einen so hohen Vernetzungsgrad wie das deutsche auf. Natürlich ist hier nicht Frankreich, wo es im Prinzip nur Paris gibt, und dann der Rest sternförmig abgeht. Aber, als ich z.B. obig genannte Verspätung von 45 Minuten hatte, hat man den Anschlusszug einfach 45 Minuten warten lassen. In Deutschland ist das unmöglich – würde man so verfahren, würde sich die Verspätung quasi sternförmig im Netz ausbreiten. Das liegt, so würde ich sagen an Deutschlands föderaler Struktur und Städtelandschaft. Hinzu kommt, daß das Schnellzugnetz in Japan auf getrennten Gleisen läuft. Afaik unterscheidet sich sogar die Spurbreite. Seperate Trassen in Deutschland bauen? Hm. Ich denke, dass wäre Anfang der 90er nicht ohne große Verzögerungen und Proteste abgelaufen, durch Bürgerintiativen, durch Debatten über Naturschutz (ein befreundeter Engländer meinte mal zu mir, daß man in Japan alles zubetoniere, sei ja auch eine Art Naturschutz, im Sinne daß das was man mag, für die Ewigkeit konserviert werde…)

Japan ist keine Transitland. Ich habe keine Zahlen, aber Deutschland liegt in der Mitte Europas und der Warenverkehr durch und in Deutschland über die Schiene ist enorm – und zum großen Teil ist das ja gewollt. Während in Japan nachts Wartungsarbeiten und Reparaturen an der Infrastruktur vorgenommen werden können, jagt man in Deutschland Güterzug um Güterzug durchs Netz. In Deutschland steht der Güterverkehr in einem echten Konkurrenzverhältnis zum Personenverkehr.

Der Ausbau des Schienennetzes: Auch wenn in Deutschland nach und nach Verbindungen gestrichen werden, ist es schon so, daß man (fast) jedes Kaff (noch) in Deutschland per Zug erreichen kann. Das ist in Japan nicht so, sicherlich u.a. auch aufgrund der geographischen Situation. Ich nehme als Beispiel immer gerne die Heimatstadt der hzB – über eine Millionen Einwohner, aber praktisch ohne Fernverkehrsanbindung (d.h. kein Shinkansen, noch nichtmal ein echter Schnellzug). Will man dahin, dann führt im Prinzip kein Weg vorbei am Flugzeug. Falls man nicht Lust auf eine mehrtägige Schiffsreise hat. Und nein, sie kommt nicht aus Okinawa.

Der Service, den man genießt wird am Ende bezahlt: Bezahlt, da mehr Servicemitarbeiter beschäftigt werden. Bezahlt, da größere Reserven vorbehalten werden. Etc. etc.
Als Student hatte ich in Deutschland ein Semesterticket, das kostete ca. 90 Euro / Semester*. Damit konnte man sämtliche lokalen Nahverkehrsverbindungen umsonst benutzen (Bus, S-Bahn), sowie einige ausgewählte längere Regionalverbindungen. Mittlerweile kann man in ganz NRW damit fahren.

Die hzB hat im Moment auch ein Studententicket. Damit kann sie genau von Station A in Tokyo (nahe ihrer Wohnung) zu Station B (nahe der Uni) fahren – auf allen anderen Strecken zahlt sie den Normalpreis. Das Ticket kostet sie etwa 125 Euro – pro Monat**.

Wenn ich nach Tokyo fahre, kostet das etwa 230 Euro hin- und zurück. Übrigens ohne Shinkansen, den gibt es hier leider noch nicht. Sie bauen ihn seit Ewigkeiten, aber _nächstes_ Jahr, ganz sicher, wird er fertig werden. Ich schätze, kurz nach Release von Hurd. Vergleichbar ist das etwa mit der Strecke Köln – Stuttgart. Nunja, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, aber irgendein Kriterium muss her, und sowohl Luftlinie als auch gefahrene Strecke sind in in etwa gleich. Als ich gerade auf der DB-Homepage nachschaute, kosteten Hin- und Rückfahrt mit dem ICE 170 Euro, ohne jeglichen Rabatt. Man bedenke, daß es in Deutschland ohne Weiteres mit Bahncard o.ä., möglich ist, den Preis um 40% oder mehr zu senken.
Die 230 Euro zahle ich dagegen immer – hier gibt es keine Bahncard, es gibt keinen Frühbucherrabatt, es gibt kein gar nichts. Das Preissystem hier ist sehr einfach – man zahlt immer den vollen Preis.

Kurz: Der Service wird hier bezahlt, er spiegelt sich in dem Preis von Dienstleistungen wieder. In Deutschland ist die Bereitschaft, für Service zu bezahlen, sehr gering. Wenn in Deutschland die Bahn die Preise erhöht, geht ein Aufschrei durchs Land – zurecht und nachvollziehbar, denn dann ändert sich zunächst einmal der Fahrpreis und sonst nichts. Trotzdem glaube ich nicht, daß die Bereitschaft für Service zu bezahlen wirklich da ist. Aldi und Co sind groß und wenn ich die Strecke zwölf mal im Jahr fahre dann rechnet man schon mal nach – mit einer Art Bahncard würde ich, verglichen, sehr viel Geld sparen. Auch die Akzeptanz… ich kann mich erinnern mal in DE zu Feiertagszeiten einen Regionalexpress erwischt zu haben, der leicht verspätet und in etwa so voll war, wie die Yamanotelinie in Tokyo… aber nicht zur Rush-Hour, so voll war es dann doch nicht. :-) Die Reisenden hätten die Schaffner fast gelyncht – in Japan ist das normal. Ein 1.Klasse-Ticket, wo ein Sitzplatz in DE fast immer garantiert ist, hat dann aber doch irgendwie niemand gekauft, und auch im Zug nicht upgegradet.

Damit das nicht falsch verstanden wird – ich wünsche mir hier nicht Zustände wie in Deutschland herbei, ich bin soweit froh, das das System hier so funktoniert, wie es funktioniert und ich genieße den Service. Aber man kann nicht so einfach vergleichen, ohne alle Aspekte zu berücksichtigen. Das japanische Modell ist nicht 1:1 übertragbar und man kann sich nicht die Rosinen herauspicken und dann über DB schimpfen. Verbesserungen hat das Bahnfahren in Deutschland bitter nötig, aber wie weit man sich dabei aber an Japan orientieren kann ist fraglich.

* jaja, die faulen, reichen Studenten die um 12 Uhr aufstehen, dem Staat auf der Tasche liegen, und den ganzen Tag nichts tun außer Haschisch zu spritzen und Stromgitarre zu spielen
** ich benutze hier einen angepassten Umrechnungskurs, der sich am McDonalds-Index orientiert, um Einkommensverhältnisse und “gefühlte” Preise wiederzugeben. “Gefühlt” sind 1 Euro in Japan 100 Yen(= der Preis eines Hamburgers beim lustigen Clown), nicht 130 Yen.

(1) ich empfehle zum Thema Binsenweisheiten die Excel-Folge mit Christian Spanik und Hannes Rügheimer, in der ebendieses durch Erstgenannten trefflich analysiert wird.

PS: Nach der Hakelei jetzt doch wieder mit WordPress. Alte Kommentare sind wieder da, von den letzten drei, vier Postings jedoch verloren.

Telefonmann

Friday, April 9th, 2010

Könnte es sein, daß …. Herzlichen Glückwunsch Japan, willkommen in neuen Jahrtausend!

ich tatsächlich eine größere Auswahl als genau _vier_ Smartphones bekommen könnte? Wirklich?

Ja genau _vier_ momentan. Ich will eigentlich schon, seit ich in Japan bin ein Smartphone kaufen. Aber bisher haben mich sowohl Preise als auch Auswahl abgeschreckt.

Vier, daß ist kein Scherz, man schaue hier nach: Das ist die “Pro”-Serie bei Docomo.

In Deutschland wäre das die “Haben wir letztes Jahr vorgestellt, den alten Kram will aber mittlerweile keiner mehr haben”-Serie. Ich meine… die drei japanischen Modelle zählen nicht, denn die laufen mit irgendeinem dämlichen proprietären OS, so daß (ernsthaftes) eigenes Entwickeln von Applikationen nicht möglich ist. Ich meine, der Browser da drauf ist von Netfront, muss man dazu noch mehr sagen? Nun, vielleicht nicht mehr, als das z.B. ein Limit von 500KB/Webseite da ist und die Darstellung quasi jedes Newsportals scheitert. Internationalisierung, also Darstellung von Seiten mit europäischen Sonderzeichen oder Unicode… das ist ungefähr so “smart”, wie … naja, halt nicht. Achja, OperaMini installieren geht nicht. Wieso nicht? Propriertär. Woll’n ‘wa nich’.

Was Android angeht, hat man die Wahl zwischen dem ein Jahr alten HTC Magic und… naja, oder man nimmt es halt nicht. Übrigens japanweit – Docomo hat das einzige Android-Smartphone. Was Android angeht, hat sich ja in letzter Zeit weltweit auch wirklich nichts getan… Und … das Blackberry Bold. Tatsächlich. Es gibt tatsächlich in ganz Japan genau _ein_ Blackberry, das mehr als 1,5 Jahre alte Bold.

Und zwei Geräte mit Windows Mobile. Ich weiß nicht, warum Windows Mobile in Japan so beliebt ist (Willcom hatte ne ganze Serie davon… naja gut, die sind auch pleite) – sind Japaner masochistisch veranlagt?

Ist es also so, daß doch noch Hoffnung besteht? Das man einfach das Telefon, was man gerne möchte privat kauft, sich dazu einen passenden Vertrag und Provider sucht? Könnte es sogar sein, daß Nokia wider zurückkommt? N900? Google Nexus im freien Verkauf? Simlock-free Iphone aus Italien? (interessant auch, daß die Newsmeldung Europa und den dortigen Verkauf von legal ungelockten Iphones gekonnt ignoriert).

Nein, ich kann mir schon denken, _wie_ das umgesetzt wird. Nämlich so, daß Hersteller Ihre Telefone “zufällig” nicht im freien Handel anbieten oder wenn, nur zu Preisen die jenseits von gut und böse liegen. Daß das Kaufen “nur” einer SIM-Karte + Vertrag preislich nicht attraktiv ist. Daß bestimmte Vergünstigungen nicht möglich sind, wenn man ein “fremdes” Telefon nutzt. Daß Mail, Internet und Co. “zufällig” nicht oder nur unter großem Aufwand funktionieren.

Manchmal ist es hier einfach… es gibt zwar ein “Hackertum” in Japan, aber prinzipiell unterscheidet sich der Geist dahinter doch sehr vom Westen. Das sieht man dann daran, daß z.B. Android hier kaum anzukommen scheint. Überhaupt ist freie Software, DRM etc. kaum ein Thema. Die Gründe sind vielfältig, zum einen sicher ガ ラパゴス化, zum anderen liegt es wohl auch schlicht daran, daß man in Japan doch einfach nicht etwas tut, was nicht erlaubt ist.

Hypersims sind mir in Akihabara jedenfalls noch nicht untergekommen (wobei ich nicht auschließen möchte, daß sie nicht doch irgendwo unter der Theke gehandelt werden). Aber auch wenn – die Netzstrukturen sind so proprietär, was würde man hier schon mit einem Uber-Smartphone ohne e-mail anfangen wollen…

EDIT: Bevor jemand meckert – mittlerweile bringt Softbank einige Androidmodelle von HTC und bei Docomo gibt es jetzt Smartphone Nr. 5, das Xperia X10.

Japanische Bürokratie

Tuesday, April 6th, 2010

Ich habe mal wieder sooo einen Hals, also muss gepostet werden.

Obwohl, eigentlich…

Muss man fairerweise sagen, daß die japanische Bürokratie eigentlich ganz in Ordnung ist. Bis auf Führerscheinbehörde (elendiges Warten, Führerscheinbehörde derart in der Pampa, daß man ohne Auto eigentlich nicht hinkommt… die Ironie!) und, obligatorisch, die Ausländerbehörde… obwohl die eigentlich auch ganz in Ordnung waren… und wenn ich so die Geschichten von Kommilitonen in Deutschland hörte, scheint man in Deutschland derart viel Ermessensspielraum in die Hände des zuständigen Beamten zu legen, daß man, abhängig davon, wie des Beamten morgentlicher Stuhlgang war, quasi zwischen Deportation und Einbürgerung steht.

Das ist in Japan nicht so, die Abläufe sind geregelt und festgelegt, fast schon Bürokratie im Weberschen Sinne – zumindestens was meine, sicherlich nicht repräsentativen Erfahrungen angeht.

Ja Moment, ich wollte mich doch beschweren!!!

Was nervt, ist daß die Behörden einem immer mal wieder irgendwelches Geschreibs zuschicken. Auf denen so Wörter stehen wie

国民年金保険料学生納付特例申請書

Könnt Ihr nicht lesen, Ihr Amateure? Ist doch easy. Kokuminnenkinhoukenryougakuseinoufutokureishinseisho. Easy. Der nächste Japaner allerdings, der ankommt mit “Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze”, Deutsch, das ist ja soooo schwierig, dem hau’ ich in die Fresse.

‘ne, da fehlen keine Hiragana, das ist auch kein Chinesisch. Aber wenn es dann mal weniger Kanji sind, ist es ein Wort, von dem ich im Leben noch nichts gehört habe.

Zum Beispiel 障碍者控除.

F***. F***, F****, F*************!!!!!

Ich habe jetzt ca. _1,5_ h damit verbracht, so eine dumme Postkarte auszufüllen. Etwa, wie der Typ in Eurotrip, im Club Vandersexxx, mit dem Safeword.

Und irgendwie komme ich mir auch genauso benutzt vor.

Es ist ja noch nichtmal so, daß ich gar kein Kanji davon kenne. Auch wenn es mir manchmal peinlich ist, nicht über Level 3 hinauszukommen (und dann wird man auch noch quasi zu N4 “abgewertet”, dieses Jahr), aber nun ist mein Primärziel nun mal nicht Japanisch zu lernen… auch wenn wenn das unter den Sekundärzielen sicher ganz ganz oben liegt.

Aber was bringt einem das? Selbst wenn ich ein Kanji kenne, ja wenn sogar der Teilbegriff irgendwie Sinn macht (äh… irgendwas mit Rente – Studenten … besonders … Geschreibsel… Hm…). Das ist in etwa so, wie ein bißchen schwanger. Nett, daß man die Richtung weiß, aber es bringt einem ja nichts, es empfiehlt sich dann doch, sich hinzusetzen und gewissenhaft nachprüfen.

Der Punkt ist, ich hab den Sch**** ja schon letztes Jahr ausgefüllt und abgeschickt, aber natürlich habe ich diese ganzen speziellen Spezialbegriffe der Spezialbürokratie nicht auswendig gelernt. Ohne Steuern, mit Steuern, Witwensteuernachlass. Moment, Witwensteuernachlass? WTF???

Ich hab’ früher immer die hzB damit genervt, aber erstens ist die auch beschäftigt, zweitens macht ein Mann solche Sachen selbst, wenn er ein echter Mann ist, richtig? Richtig! Und drittens, und ich hoffe sie liest das Posting jetzt nicht so weit, sonst kriege ich wieder Haue, habe ich zu oft gehört “Keine Ahnung, was man da ausfüllen muss. Das macht immer Papa.”

Das ganze kommt dann auch immer noch in einer 8Punkt Font, so daß man die Kanji kaum entziffern kann. Dann gehts ab mit IME oder Denshi-Jjisho zum Kanjikritzeln, Kanji für Kanji. Lesungen runterschreiben, Bedeutung nachschauen… und dann geht halt für so eine dämliche Postkarte 1,5h drauf. Fairerweise – es ist auch immer meist ein Erklärungszettel dabei, auf dem alles ganz genau erklärt ist. Auf Japanisch. Mit noch mehr Kanji. Und alles immer im Beamtenjapanisch, mit möglichst wenig Hiragana. Und Heisei. Verdammt. Scheiss Monarchie, wann kommt endlich die große Revolution, die die Republik bringt? Naja, Revolution, in Japan wohl nie. Muss ich da doch wieder selbst Hand anlegen?

Hilft alles nix, da muss man durch. Ich schließe mit einem Zitat des Griechen über das Japanische, dem Sack, der steht kurz vor 1kyu, nicht das ich neidisch wäre… Ich bin grün vor Neid.

japanese -

it’s a battle mate, it’s a battle. And we have to devote time to that, also.