Archive for the ‘Yesss. Japan!’ Category

Onsen

Monday, August 23rd, 2010

Onsen sind im Prinzip ‘ne tolle Sache. Allerdings nicht immer, was die Japse ‘draus machen.

Der Japaner liebt es bequem und praktisch, deswegen gibt es die ganzen Konbinis oder auch die Schlaufen in den Ecken des Bettbezuges, mit denen man die Decke innerhalb des Bezuges fixieren kann, so daß die Decke bei Bewegung nicht immer nur zur Hälfte aus einem Klumpen Decke und einer Hälfte Bezug besteht.

Im Fall Onsen bedeutet praktisch und convenient, daß über ein Onsen schnell ein Ryokan gebaut werden muss, mit Zufahrtsstraße, Parkplatz, Tatamizimmer, lecker Frühstück undsoweiterundsofort. Praktisch bedeutet nicht, daß der Ryokan gut aussehen muss. Ein Klotz aus Beton ist völlig in Ordnung.

Nach der Hollandsache war ich noch in Österreich, schoss ein paar Fotos und zeigt diese der hzB, welche die ländliche, touristisch geprägte Umgebung mit dem Wort “kitschig!” kommentierte. Das brachte mich fast zur Weißglut. JA TOLL. Vielleicht kitsch, aber immerhin mal kein Beton zur Abwechslung. Besser Kitsch als Beton. Oder?

Ich warte ja noch ‘drauf bis irgendwann mal ‘n Japaner nach Österreich fährt, und sich beim Hotel beschwert, er halte diese verdammten, geschmückten Balkons und die gepflegten Vorgärten nicht mehr aus, ob sie nicht vielleicht ein Zimmer mit Blick auf eine puffartig aussehende Leuchtreklame vor einer Betonwand hätten. Oder wenigstens am Rand ein Haus aus Wellblech, mit leicht verrosteten Wänden. Er habe so Heimweh.

Wird natürlich nie passieren. Honne und Tatemae und so. Ich denke aber, der Ruhrpott könnte hier eine Marktlücke für sich entdecken. Obwohl, daß ist ja mittlerweile auch alles viel zu schön geworden…

Zurück zum Onsen. Die Ver-Ryokanisierung nervt wegen noch anderen Dingen. Zum Einen ist die Übernachtung oft ziemlich teuer. Zwar gibt es manchmal auch die Möglichkeit als Nichtübernachter nur das eigentliche Onsen zu besuchen. Da wiederum kommt dann aber wieder Punkt 2 zu tragen, die erzkonservative Sexualmoral in Japan.

Glaubt Ihr nicht, wo Samurai-Biker und Co. Euch mit den ganzen Fickeldifotzpostings heiß machen und dann die ganze Sache mit den used-panty-Automaten…

Ist alles Bullshit. Manches wirkt vielleicht auf den ersten Blick offen und locker, aber dahinter verbirgt sich ein kompliziertes Regelwerk, daß im Zweifelsfall konservativer ist, als der amerikanische Mittelwesten. Zum Beispiel, ja Hotpants sind ok, auch im Winter, aber wehe es die Dame zeigt auch nur _winzigst_ etwas Bauch. Die Schlampe!

Wenn ich z.B. die hzB nach längerer Zeit am Bahnhof wieder treffe …

Irgendwie passieren mir solche Sätze einfach. Ich kann nichts dafür. Völlig unbeabsichtigt.

Ich leite nochmal neu ein.

Wenn ich mal wieder nach Tokyo pendel’ und die hzB wieder treffe und beherzt drücke, dann gibt es lauten Protest, denn _Umarmen_ und _Küssen_ an einem Fernbahnhof in der Öffentlichkeit, nein, daß geht nun wirklich nicht. Sowas Peinliches. [wenn ich das überspringe hängt natürlich auch der Haussegen schief, aber das ist eine andere Geschichte].

Ich hole immer sehr lange aus, der Punkt sind die Onsens. Also ein gemeinsames Bad im Onsen ist unmöglich. Weil man ist ja da nackt. Und dann die ganzen japanischen Perversen. Das kann nicht funktionieren.

Nicht, daß man mich jetzt in irgendsoeine Nudistenecke stellt. Aber es nervt, wenn man die hzB ‘eh die Woche nicht gesehen, den Sonntag mit einem Onsenbesuch verbringt, hinfährt, ‘rein, und nach ein paar Stunden “Und wie war’s? Ja gut” und fertig und Montag und blah.

Na gut, wenn man die vierzig überschreitet und die Ehe nur noch aus purem Haß besteht, dann mag das genau die Art von Ausflug sein, die für einen freien Sonntag paßt (Mo-Sa kann man der Ehefrau durch Arbeit ausweichen, und Sonntag dann mit sowas ersetzen), aber nun sind wir (noch?) (glücklicherweise? noch?) (au! aua!) nicht an diesem Zustand angelangt.

Es gibt einen Ausweg. Wilde Onsens. Wild heißt, man muss dahin _laufen_. Da ist klar, daß da so gut wie kein Japaner einfach mal eben dahinkommt. Dann ist es ja in der freien Natur und hazukashii und blablabla und daß hält nochmal ordentlich Menschen ab.

Und so haben wir uns aufgemacht. Fiese Fahrt in die Pampa schon ansich. Dann fieseste Straße überhaupt. Links steil nach unten, rechts steil nach oben. Keine Leitplanke. Breite der Straße geeignet für ein Auto. Bei Gegenverkehr rückwärts bis zur nächsten Notbucht. Bei zuviel Regen Sperrung der Straße wegen Steinschlags. Umkurven und Wegräumen von fiesesten Steinbrocken. Auf der Rückfahrt lagen neue da. Bei einer falschen Handbewegung und verreißen des Lenkrads sicherer Tod. Keine Angst. Ich wohne in der Präfektur, ich bin Profi.

Hier geht's rein

Exzellent! Danach eine Stunde etwas locker Spazierengehen (für Japaner: Wandern). Und wildes Onsen. D.h. gar nicht so wild. Wohl von irgendeinem Freiwilligen/einer Behörde maintaint. Aufgrund mäßigen Wetters wirklich keine Menschenseele. Aufgrund der Lokation auch nicht verbaut.

Und hier geht's runter

Sehr chillig hier zu chillen

Exzellent.

Unberührtes Japan. So wie man sich das in Deutschland vorstellt, mit Samurai und Ninjas und so, da hatte ich dann doch Angst, daß da plötzlich einer aus dem Busch springt. Aber ernsthaft frage ich mich manchmal, wie Japan so vor dem ganzen Boom, vor der ganzen Betonwut, vor dem Aufblähen der Verwaltung, so in den 60ern ausgesehen hat. Es muss ein wirklich fundamental anderes Japan gewesen sein. Ich glaube “Mehr Herz, weniger Beton”, war das nicht ein Slogan von Minshuto? Irgendwas in der Richtung. Es gibt da auch so eine Sammlung von Essays, “Lost Japan” oder so. Ist auf meiner ToDo-Liste sehr weit oben.

Vielleicht bin auch einfach zu nostalgisch. Ich schweife ab.

Anyway, es gibt so Momente wo man noch ein relativ “unberührtes” Japan sieht. Das war einer. Exzellent!

Yooroppa

Wednesday, July 21st, 2010

Ich war etwa zwei Jahre lang nicht mehr in Deutschland. Neulich besuchte ich die Niederlande und Deutschland zwecks eines Workshops. Dinge, die ich lernte. Ungefiltert.

  • 海外旅行はタイヘンですよ。
  • Es gibt keine Konbinis.
  • im Gegensatz zu den europäischen Drehkreuzen, ist Narita im Prinzip eine Lokalveranstaltung.
  • ANA Stewardessen >> KLM Stewardessen
  • japanische Touristen… argh.
  • In einem Notfall hätte ich doch lieber die Damen von KLM. Die schaffen wenigstens Ordnung unter obiger Klientel. Wenn das Zeichen für “Gurte anlegen”  an ist wegen Turbulenzen, oder wenn gerade Essen ausgegeben wird und der Trolley den Gang blockiert, ist ein schlechter Zeitpunkt aufs Klos zu gehen. Auch wenn Du 45 und in den Wechseljahren bist, aber trotzdem ständig Kaffee säufst und dann geschätzt alle 10 Minuten musst.
  • 50+, weiblich, kanemotchi aber dann doch nicht so reich, daß Businessclass, ist je nach Tagesform eine gefährlichere Kombination als ein Frauenkegelverein am Sonntag in einem Regionalexpress und eine Kiste Feigling. Wie kann man sich nur bei ca. 11 Stunden Flug 8 Stunden _ununterbrochen_ unterhalten? In dieser Lautstärke? Auch wenn alle anderen schlafen? Oder essen? Oder einen Film schauen? Oder…
  • Europa ist so _unpraktisch_ und unnötig kompliziert. Um in einen Bus einzusteigen muss ich erst an der verdammten Fahrkartenuniversität einen Bachelor in Tarifzonenberechnung machen. Und wenn ich denn einsteige und den Namen meiner Zielstation aber die Strecke nicht kenne, wie soll ich dann bitte ‘rausfinden, wo ich aussteigen muss, wenn kein Display im Bus ist und der Fahrer die Stationsnamen auch nicht ansagt? Hat sich da mal jemand _Gedanken_ zu gemacht? Macht man da wirklich so viel mehr Gewinn mit, als einfach _einen_ Preis festzusetzen?
  • keine Konbinis
  • Busfahrer, ob Mann oder Frau, sind in Europa im Prinzip grundsätzlich Arschlöcher. Ich glaube, daß ist Einstellungsvoraussetzung. Wer kein Arschloch ist, darf auch nicht Busfahrer werden. Fett sein hilft auch. [1]
  • Fahrkartenautomaten in den Niederlanden können kein Scheingeld verarbeiten. Meine EC-Karte hatte eine Quote von 1/3, manchmal klappt es, manchmal nicht.
  • Fahrkartenautomaten in Deutschland nehmen manchmal meine EC-Karte an, manchmal auch nicht (meine Vermutung: Der Magnetstreifen ist hinüber und den Chip können nicht alle auslesen. Wie kann ich das jetzt prüfen???). Und maximal 10 Euro-Scheine.
  • Yen in 50 Euro Scheine zu tauschen ist keine passende Reisevorbereitung.
  • In den Niederlanden sprechen die Penner besser Englisch als ein durchschnittlicher Universitätsabsolvent in Japan.
  • Es ist, je nach Lokation und Tageszeit, mehr oder weniger unmöglich in der Innenstadt eine _gekühltes_ Getränk in einer PET-Flasche oder Dose zu erwerben.
  • Erwähnte ich schon, daß es keine Konbinis gibt?
  • Die Leute sind so faul. Niemand arbeitet am Wochenende. Landet man an einem Samstagabend und ist keine Tanke in der Nähe… kann man im Prinzip Leitungswasser bis Montag trinken.
  • Das ist aber gar nicht so schlecht, wenn man seine Zahnbürste vergessen hat, denn die kann man ja auch erst am Montag kaufen.
  • Die Menschen in den Niederlanden und in Deutschland können nicht kochen. Sie legen auch überhaupt kein Wert auf Essen.
  • es gibt keine Misoshiro. Die gibt es bestimmt sogar auf Hawaii
  • es gibt keine Aircons
  • es gibt keine Konbinis
  • Die Menschen in Europa sind fett
  • Insbesondere die Frauen
  • und kleiden sich absolut stillos.
  • Insbesondere die Fetten schämen sich noch nichtmal für Ihre Fettheit und versuchen gar nicht erst mit geschickter Auswahl von Kleidung ihre Fettheit zu verstecken
  • Wenigstens muss man den Anblick dieser aber in Konbinis nicht ertragen. Wieso? Es gibt nämlich keine!
  • Die Frauen haben riesige Brüste
  • und zeigen das auch ganz offen
  • das & fett & Schwerkraft: -
  • aber die nicht-Fetten!  +
  • das Leben in Deutschland, insbesondere in einer Mittel- oder kleinen Großstadt wirkt um den Faktor 10 entschleunigt
  • der Bahnhof in Wuppertal ist in etwa so, wie man sich Wladiwostock vor der Wende vorstellt [2]
  • und es gibt auch keine Konbinis dort.
  • der Bahnhof in Duisburg dagegen ist überraschend modern und angenehm
  • trotzdem fehlen dort Konbinis
  • es gibt ordentliches Toilettenpapier. Das hatte ich ganz vergessen. Wieso ist das in Japan so dünn, daß man zehnmal falten muss, um nicht “durchzugreifen”?
  • Japanische Grenzbeamte sind zu Ausländern freundlicher als niederländische Grenzbeamte zu (EU)-Inländern.
  • Die Menschen in Europa sind weitestgehend asozial. In der originären Wortdefinition. Zum Beispiel läßt man seinen Müll dort fallen, wo man gerade steht. Dementsprechend sehen die Städte aus.
  • Subways!!!
  • ES GIBT KEINE KONBINIS!!!

Final Punchline? Sorry, heute nicht…

Allerdings, jenseits des Obigen, alles in allem, erschien mir das Leben in Deutschland irgendwie plötzlich ziemlich streßfrei und locker…

[1] diese pauschalen Anschuldigungen sind unfair. Ich entschuldige mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den netten Busfahrerinnen und Busfahrern für meine harten Worte. Bei beiden.

[2] eine große Entschuldigung an alle Leser die in Wladiwostock wohnhaft sind oder aus der Gegend kommen. Ich bin mir sicher, daß der wladiwostocksche Bahnhof auch vor der Wende sicher schon schöner war als der in Wuppertal heute.

Thanks, Captain Obvious!

Wednesday, June 2nd, 2010

We have been reported that some acts of persuading students to join a religious group are seen around the Student Housings.  We consider the group as a Cult.
Once you join a cult group, there is the danger that you will be subject to manipulative mind control techniques, and that you will bear a burden psychologically and financially. You will eventually waste so much time and ruin your student life.

Gut, daß diese Warnmail verschickt wurde. Ich hätte sonst mitgemacht.

Manchmal… Ich habe irgendwo mal gelesen, MacArthur habe gesagt, man müsse die Japaner wie Kinder behandeln, dann käme man mit Ihnen klar… allerdings: Extrapunkt für die Alliteration. “Manipulative Mind Control Technique” klingt geil. Fast schon so cool wie “Five Point Palm Exploding Heart Technique”. Letztere üben wir übrigens morgen im Seminar. Sind ja hier nah’ dran, an den Weisheiten des Ostens…

Eine Runde Mitleid für die DB

Monday, April 26th, 2010

Zunächst möchte ich ein paar Dinge vorausschicken: Unten stehender Eintrag wurde von mir im letzten Winter während einer elend langen Zugfahrt verfasst, ist also nicht gerade aktuell. Ich hatte mich damals ob der Unlustigkeit entschieden, sowas nicht zu posten. Da mir nichts Besseres einfällt momentan, hier also die B-Ware. Zum Thema:

Insbesondere bei vielen Touristen, die Japan für eine kurze Zeit besuchen entstehen sehr schnell oberflächliche Eindrücke, die nicht ganz der Realität entsprechen, für diese Touristen aber zementierte Wahrheiten werden.

Weiterhin, und so ist mein persönlicher Eindruck, ist bei länger in Japan verweilenden Personen, die oft viele Anstrengungen, Mühen und Nachteile in Kauf genommen haben um hier zu verweilen, manchmal die Tendenz zu erkennen, sich wirklich alle und jede Sachen in Japan schön- und alle und jede Sache in Deutschland schlecht zureden, eine sehr menschliche Eigenschaft…

Das geht mir manchmal aber auf die Eier. Insbesondere, wenn Japan in den Himmel gelobt wird. Von Leuten die keine Ahnung haben.

Also im Prinzip jeder, mit Ausnahme meiner direkten Vorgesetzten und der hzB.

Auf der anderen Seite war ich jetzt auch schon fast zwei Jahre nicht mehr in Deutschland. Es kann sein, daß ich, beim nächsten Besuch, ob des ersten unhöflichen Wortes eines Mitarbeiters des Service Teams in die Luft gehen und diesen Blogeintrag verteufeln werde.

Nun denn, auf zu dem etwas langatmigen Eintrag:


Die Züge in Japan sind pünktlich, sauber und die Mitarbeiter von Japan Railway sind stets zuvorkommend und höflich.

Das ist das Klischee – und es stimmt auch weitestgehend.

Was mich jedoch ab und zu irritiert, sind Kommentare von Japanreisenden, die das zum ersten Mal erleben und nur die Vorteile des japanischen Bahnsystems sehen, meist noch mit einem frischen Eindruck von irgendeiner chaotischen Situation aus Deutschland.

There is no such thing as free lunch. Typische Binsenweisheit (1), mit gewissem Wahrheitswert. Die Ursachen und Gründe, warum in Japan Bahnfahren angenehm ist, sind vielfälig:

Sauberkeit der Züge. Natürlich sind die Züge in und um Tokyo modern und gepflegt, aber das sind z.B. die Nahverkehrszüge in vielen (reicheren) deutschen Städten auch. Aber auch in kleineren Städten, wo weniger investiert wird, sind die Zugwaggons vielleicht ein bisschen älter und sehen so aus, als hätte der Zahn der Zeit daran genagt – sind dabei aber gepflegt. Der Grund ist einfach, daß in Japan Vandalismus nicht existiert. Es gibt keine Graffiti, es gibt keine Möchtegernkünstler die statt Graffitis nur die Züge mit ihren “Tags” vollschmieren, es gibt keine “Scratcher” und keine Sitzaufschlitzer. Damit einher geht natürlich eine sehr konfliktscheue Gesellschaft oder sagen wir eher, eine Gesellschaft in der Konflikte nicht offen ausgetragen werden. Obwohl so generalisierende Aussagen immer sehr problematisch sind, kann man schon mit Fug und Recht behaupten, daß Autoritäten tendenziell eher akzeptiert und respektiert werden, ohne sie zu hinterfragen. Mit all den sich dadurch ergebenen Vor- und Nachteilen.

Pünktlichkeit der Züge. Zum einen ist es nicht so, daß japanische Züge immer pünktlich sind – besonders nach dem berühmt-berüchtigten Unfall 200X. Und auch plötzlicher Wintereinbrucht stellt die Infrastruktur hier vor Probleme. Wir hatten hier neulich ein bisschen Schnee, siehe Foto – und die Freundin der hzB, die zufällig in meine Heimat, nach K-Stadt aufbrach, brauchte 7 Stunden hierhin – 4 Stunden dauert die Verbindung normalerweise. Das ist ein Extremfall – aber auch ich hatte schon 45 Minuten Verspätung zur Silverweek, das Posting schreibe ich momentan im Zug und der hat, aufgrund des Wintereinbruchs und diverser Kleinigkeiten auch wieder 15 Minuten Verspätung.

Ein bisschen Schnee

Im Vergleich zu den Problemen in Deutschland ist das natürlich immer noch sehr akzeptabel. Es kommen aber noch ein paar Unterschiede hinzu:

Das japanische Schienennetz weist lange nicht einen so hohen Vernetzungsgrad wie das deutsche auf. Natürlich ist hier nicht Frankreich, wo es im Prinzip nur Paris gibt, und dann der Rest sternförmig abgeht. Aber, als ich z.B. obig genannte Verspätung von 45 Minuten hatte, hat man den Anschlusszug einfach 45 Minuten warten lassen. In Deutschland ist das unmöglich – würde man so verfahren, würde sich die Verspätung quasi sternförmig im Netz ausbreiten. Das liegt, so würde ich sagen an Deutschlands föderaler Struktur und Städtelandschaft. Hinzu kommt, daß das Schnellzugnetz in Japan auf getrennten Gleisen läuft. Afaik unterscheidet sich sogar die Spurbreite. Seperate Trassen in Deutschland bauen? Hm. Ich denke, dass wäre Anfang der 90er nicht ohne große Verzögerungen und Proteste abgelaufen, durch Bürgerintiativen, durch Debatten über Naturschutz (ein befreundeter Engländer meinte mal zu mir, daß man in Japan alles zubetoniere, sei ja auch eine Art Naturschutz, im Sinne daß das was man mag, für die Ewigkeit konserviert werde…)

Japan ist keine Transitland. Ich habe keine Zahlen, aber Deutschland liegt in der Mitte Europas und der Warenverkehr durch und in Deutschland über die Schiene ist enorm – und zum großen Teil ist das ja gewollt. Während in Japan nachts Wartungsarbeiten und Reparaturen an der Infrastruktur vorgenommen werden können, jagt man in Deutschland Güterzug um Güterzug durchs Netz. In Deutschland steht der Güterverkehr in einem echten Konkurrenzverhältnis zum Personenverkehr.

Der Ausbau des Schienennetzes: Auch wenn in Deutschland nach und nach Verbindungen gestrichen werden, ist es schon so, daß man (fast) jedes Kaff (noch) in Deutschland per Zug erreichen kann. Das ist in Japan nicht so, sicherlich u.a. auch aufgrund der geographischen Situation. Ich nehme als Beispiel immer gerne die Heimatstadt der hzB – über eine Millionen Einwohner, aber praktisch ohne Fernverkehrsanbindung (d.h. kein Shinkansen, noch nichtmal ein echter Schnellzug). Will man dahin, dann führt im Prinzip kein Weg vorbei am Flugzeug. Falls man nicht Lust auf eine mehrtägige Schiffsreise hat. Und nein, sie kommt nicht aus Okinawa.

Der Service, den man genießt wird am Ende bezahlt: Bezahlt, da mehr Servicemitarbeiter beschäftigt werden. Bezahlt, da größere Reserven vorbehalten werden. Etc. etc.
Als Student hatte ich in Deutschland ein Semesterticket, das kostete ca. 90 Euro / Semester*. Damit konnte man sämtliche lokalen Nahverkehrsverbindungen umsonst benutzen (Bus, S-Bahn), sowie einige ausgewählte längere Regionalverbindungen. Mittlerweile kann man in ganz NRW damit fahren.

Die hzB hat im Moment auch ein Studententicket. Damit kann sie genau von Station A in Tokyo (nahe ihrer Wohnung) zu Station B (nahe der Uni) fahren – auf allen anderen Strecken zahlt sie den Normalpreis. Das Ticket kostet sie etwa 125 Euro – pro Monat**.

Wenn ich nach Tokyo fahre, kostet das etwa 230 Euro hin- und zurück. Übrigens ohne Shinkansen, den gibt es hier leider noch nicht. Sie bauen ihn seit Ewigkeiten, aber _nächstes_ Jahr, ganz sicher, wird er fertig werden. Ich schätze, kurz nach Release von Hurd. Vergleichbar ist das etwa mit der Strecke Köln – Stuttgart. Nunja, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, aber irgendein Kriterium muss her, und sowohl Luftlinie als auch gefahrene Strecke sind in in etwa gleich. Als ich gerade auf der DB-Homepage nachschaute, kosteten Hin- und Rückfahrt mit dem ICE 170 Euro, ohne jeglichen Rabatt. Man bedenke, daß es in Deutschland ohne Weiteres mit Bahncard o.ä., möglich ist, den Preis um 40% oder mehr zu senken.
Die 230 Euro zahle ich dagegen immer – hier gibt es keine Bahncard, es gibt keinen Frühbucherrabatt, es gibt kein gar nichts. Das Preissystem hier ist sehr einfach – man zahlt immer den vollen Preis.

Kurz: Der Service wird hier bezahlt, er spiegelt sich in dem Preis von Dienstleistungen wieder. In Deutschland ist die Bereitschaft, für Service zu bezahlen, sehr gering. Wenn in Deutschland die Bahn die Preise erhöht, geht ein Aufschrei durchs Land – zurecht und nachvollziehbar, denn dann ändert sich zunächst einmal der Fahrpreis und sonst nichts. Trotzdem glaube ich nicht, daß die Bereitschaft für Service zu bezahlen wirklich da ist. Aldi und Co sind groß und wenn ich die Strecke zwölf mal im Jahr fahre dann rechnet man schon mal nach – mit einer Art Bahncard würde ich, verglichen, sehr viel Geld sparen. Auch die Akzeptanz… ich kann mich erinnern mal in DE zu Feiertagszeiten einen Regionalexpress erwischt zu haben, der leicht verspätet und in etwa so voll war, wie die Yamanotelinie in Tokyo… aber nicht zur Rush-Hour, so voll war es dann doch nicht. :-) Die Reisenden hätten die Schaffner fast gelyncht – in Japan ist das normal. Ein 1.Klasse-Ticket, wo ein Sitzplatz in DE fast immer garantiert ist, hat dann aber doch irgendwie niemand gekauft, und auch im Zug nicht upgegradet.

Damit das nicht falsch verstanden wird – ich wünsche mir hier nicht Zustände wie in Deutschland herbei, ich bin soweit froh, das das System hier so funktoniert, wie es funktioniert und ich genieße den Service. Aber man kann nicht so einfach vergleichen, ohne alle Aspekte zu berücksichtigen. Das japanische Modell ist nicht 1:1 übertragbar und man kann sich nicht die Rosinen herauspicken und dann über DB schimpfen. Verbesserungen hat das Bahnfahren in Deutschland bitter nötig, aber wie weit man sich dabei aber an Japan orientieren kann ist fraglich.

* jaja, die faulen, reichen Studenten die um 12 Uhr aufstehen, dem Staat auf der Tasche liegen, und den ganzen Tag nichts tun außer Haschisch zu spritzen und Stromgitarre zu spielen
** ich benutze hier einen angepassten Umrechnungskurs, der sich am McDonalds-Index orientiert, um Einkommensverhältnisse und “gefühlte” Preise wiederzugeben. “Gefühlt” sind 1 Euro in Japan 100 Yen(= der Preis eines Hamburgers beim lustigen Clown), nicht 130 Yen.

(1) ich empfehle zum Thema Binsenweisheiten die Excel-Folge mit Christian Spanik und Hannes Rügheimer, in der ebendieses durch Erstgenannten trefflich analysiert wird.

PS: Nach der Hakelei jetzt doch wieder mit WordPress. Alte Kommentare sind wieder da, von den letzten drei, vier Postings jedoch verloren.

Den Asiaten fehlt doch da so ein Enzym…

Friday, October 9th, 2009

deswegen vertragen die doch keine Alkohol. Hört man eigentlich auf jeder Party, diese Tatsache. Kennt jeder in Deutschland. Und ist auch korrekt, Aldehyddehydrogenasen nennt sich das Ganze und läßt sich auf Wikipedia nachlesen.

Dort steht, daß 46 Prozent der Japaner betroffen sind. Also zum einen, weniger als die Hälfte hat dieses Problem.

Zum anderen, hat das der anderen Hälfte leider noch niemand gesagt. Die weiß davon leider nix.

Und so kommt der normale Japaner in die Kneipe, Du erklärst dem Japaner die Geschichte mit den Aldehyddehydrogenasen. “Ah, das ist ja interessant”, sagt er dann, packt den Sake aus und säuft Dich unter Tisch.

Ah, … Mhh, … Hai, … hai, wakarimasu …, sou desu ka, … hai, … eeeeh?, … unh, … mh, …

Sunday, October 4th, 2009

KERR HALT DOCH MAL DIE FRESSE WENN ICH REDE!

Vor einiger Zeit war ich auf einer informellen Tagung in Sendai. Angestrengt kam ich dann ins Hotel zurück und was macht man dann so in einer fremden Stadt, geschafft und müde?

Ja, Minibar, aber ansonsten? Und nein, Pornokanal ist keine nennenswerte Option, es sei denn, man findet die Zensurpixel geil und ist vom Typ her eher so Alt-68er/Öko-mäßig drauf… Sie verstehen…

日本がんばれ!

Ich bin dann bei BS11 hängengeblieben, so einer Art… Info(?)kanal, genauer bei der Sendung Inside-Out

Es ging um die Energiefrage, so grundsätzlich halt; neben der intelligenten Moderatorin, die offenbar nicht nur aufgrund ihres Aussehens ausgewählt wurde… bin ich wirklich in Japan? Daß es sowas tatsächlich gibt…

Japan ist ein “old-boys-network”, also neben der intelligenten Moderatorin waren natürlich zwei ältere Herren da, die alles ganz genau wußten, wobei, nein, ein älterer Herr und ein Opa, bei dem ich wirklich Angst hatte, daß er das Studio nicht mehr lebend verläßt. Der redete dann den Großteil der Zeit, der Jungspund (ca. 65) durfte natürlich nicht so viel sagen, und, und das ist der Punkt:

Als Zeichen dessen, daß die Moderatorin ihm zuhörte, sagte sie halt mindestens alle 5 Sekunden, übersetzt etwa “Ah, … Mh, … Ja, ich verstehe,… aha, … mhhmmh, … ok, … ja, ja…. ” etc.

Und das ist kein Einzelphänomen. Also ich meine, wenn man die Leute kennt, ok, aber wenn es um eine förmlichere Situation geht, wenn es ein längeres Gespräch im Fernsehen ist, insbesondere wenn eine ranghöhere Person mit einer rangniederen spricht, dann wird halt zum Zeichen dessen, daß man zuhört und aufmerksam ist, nicht etwa die Fresse gehalten, so wie es sich gehört, sondern ständig rein ge-”mmmmht”. Wie gesagt, schon öfter aufgefallen – im Real-life natürlich nicht so extrem wie damals im Fernsehen, trotzdem…

Mir persönlich gehen solche Leute halt tierisch auf den Senkel, unterbrechen sie doch fortwährend meinen Denkfluß und bringen mich aus dem Konzept.

Wenn der Kaiser spricht, dann haben die Sklaven ruhig zu sein. Oder so ähnlich…

Der Cola-Automat im Shinto-Schrein oder wie ich lernte, Kyoto zu lieben

Sunday, September 13th, 2009

Kyoto ist eine tolle Stadt, wenn man diese, speziell-japanische Fähigkeit hat, unbequeme Dinge aus seiner Wahrnehmung zu tilgen und sich nur ein auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren. Ich rede vom sogenannten PAL-Feld, dem “Problem anderer Leute-Feld”. (somebody’s else problem)

Der Verrückte im Bus (ich berichtete). Der Hochspannungsmast auf dem Kinderspielplatz. Die Abtreibungsklinik quasi neben dem Supermarkt. Der Cola-Automat im Shinto-Schrein. Oder eben das Betonhochhaus im hübschen 50er Jahre “Bau auf”-Stil neben dem jahrhundertealten… naja theoretisch jahrhundertealten, aber vor 100 Jahren abgebrannten und neu errichtetem historisch wertvollem Tempel.

Japanische Städte sind einfach potthäßlich und obwohl ich jetzt hier schon einige Zeit lebe und mich mit vielem abgefunden, ja vieles sogar verstanden und akzeptiert habe, werde ich die Architektur immer abfällig und mitleidig betrachten, leidend, aber mehr bemitleidend, denn, dreht man’s wie man’s will: SIE HABEN ES JA NICHT ANDERS GEWOLLT.

Die Tempelanlagen, der historische Teil Kyotos ist wirklich wunderhübsch, aber anscheinend versucht man alles, um das in “rechte” Licht zu bringen. Es gibt keinen Denkmalschutz in Japan, offensichtlich gibt es auch keine Raumplanung, gut, ich meine wir Deutschen sind ja weltweit bekannt dafür, uns manchmal etwas zu stark darauf zu fokussieren, trotzdem bricht es einem das Herz häßliche Betonbunker neben historische bedeutsamen Gebäuden zu finden. Und mehr noch nicht die Tatsache an sich, sonderen daß es nunmal niemanden stört, daß es außer mir niemand zu bemerken scheint.

Gut andere Ausländer, aber, ich meine, was bitte zählt schon die Meinung eines Ausländers? Die haben eh immer zu allem ‘ne Meinung, und brabbeln die ganze Zeit von Walen, Wahlen und Politik und meistens immer dann, wenn man eigentlich gerade auf dem Weg ins Geschäft ist, weil doch die neue Gucci-Handtasche ab heute offiziell verkauft wird.

Wo war ich? Ausländer, genau.

Ich erinnere mich da an D., eine, mittlerweile in München promovierende Wissenschaftlerin aus Rumänien, die, als wir in K-Stadt aus dem Zug stiegen fragte:

“Sag mal Master Chief, sind die Leute hier sehr arm?”
“Wieso fragst Du?”
“Die Gebäude hier, die Läden… es sieht alles so trostlos, so schäbig aus…”
“Du kommst aus Rumänien!!!”
“Ja, ich meine wir hatten auch solche Gebäude vor der Wende, so quasi gestapelt gebaute…”
“Plattenbauten!”
“Genau”
“ABER DU KOMMST AUS RUMÄNIEN!!!” [1]

Ich denke, der geneigte Leser wird aber jetzt verstehen, wie es für einen Europäer, der einfach optisch ansprechende Architektur gewohnt ist, wirkt. Wie gesagt, nichts ist dreckig, manchmal sind Dinge baufällig, oft aber nicht, aber immer sind die Gebäude schön häßlich.

Die Reaktion, wenn ich anderen Japanern sage, ich wohnte in K-Stadt ist: “Oh, das ist aber doch toll, wo K-Stadt doch soooo eine schöne Stadt ist” (kireeeeeeeeeiiii)

Kurzum, worauf ich eigentlich hinaus will: Ich bin aufgebrochen nach Kyoto, die Stadt der Kaiser und Konkubinen und Geishas, die Stadt der Tradition, der Tempel und der Schreine, die Stadt der Kultur und der Religion.

Freundlicherweise haben die KK und ihr Ehemann Fremdenführer für mich gespielt, so daß ich doch so einiges besichtigen konnte. An dieser Stelle, wenn sie sich tatsächlich bis hierhin vorgekämpft haben und das Gossendeutsch, die schlechten Wortspiele und überhaupt, dann nochmal herzlichen Dank an dieser Stelle.

Kyoto ist auf jeden Fall einen Besuch wert, interessant und sehenswert.

Fotos im Fotobereich, wie immer.

[1] Ich bitte an dieser Stelle alle rumänischen Leser tiefst um Verzeihung aufgrund der Verbreitung der üblichen Klischees, insbesondere daß alle osteuropäischen Länder so aussehen würden, wie man sich denkt, daß osteuropäische Länder aussehen. Und aussahen.

M O L O C H

Friday, August 21st, 2009

das wäre dann die zweite Assoziation gewesen. Von oben Passanten oder so, auf Schwarz-Weiß gemacht, dann Überblendung auf Freder, wie er die Hände über dem Kopf zusammenrauft und schockiert ist, Überblendung auf die Moloch-Maschine, Überblendung auf einen typischen Salaly, Entschuldigung, Salaryman, Explosion undsoweiterundsofort. Aber wie sollte das auch gehen. In Tokyo gibt es weder Mittler, Hirn, noch Herz.

Denke die gewählte Assoziation checkt auch jeder sofort. Timing bin ich etwas unzufrieden, auch Bildqualität insgesamt, aber nach 5 min gingen mir die Akkus aus, hatte vorher nicht geladen. Und halte mal die Kamera 20 Sekunden lang still für die Nachtbelichtung, mit einer Hand, über Kopf damit nicht die ganzen Menschen mit drauf sind, die Dich die ganze Zeit anrempeln.

Codec: Flash nervt irgendwie sowohl zu kodieren als auch einzubinden, sofern man nicht youtube & Co benutzt; am Ende hatte dann Quicktime das beste Quality/Space-Ratio.

Fernsehen

Version mit höherer Auflösung gibt’s im privaten Fotobereich.

PS: Kleines Rätsel: Wer schafft es den Schriftzug zu entziffern und dadurch das Gebäude zu identifizieren? Also nicht das Hotel. [Kleiner Hint: Ein Gebäude ähnlichen Typs sah in Charles City aus wie eine Bohrinsel]

Es gab ein großes Feuerwerk…

Wednesday, August 5th, 2009

und in diesem Fall bin ich mir sicher, daß die Nachbarn was bemerkt haben.

Zuerstmal das Sumidagawa Feuerweksfestival, hier die Wiki-Beschreibung.

Was der Wikipedia-Artikel nicht verrät, ist, daß von den 8 Millionen Einwohnern Tokyos, meiner persönlichen Schätzung zufolge, die Hälfte da waren. Es war wirklich voll.

Ich meine so voll, daß man sich nich vorwärts, rückwärts oder seitwärts bewegen konnte.

Ok, jetzt denkt sich der eine oder andere in Deutschland, hm, war wohl schon voll da, vielleicht so wie auf der Pfingstkirmes, hinten beim Autoscooter, beim Lenzenplatz.

Nicht mal ansatzweise!

Denk Dir den Stau vor der Dönerbude beim Dieler, multipliziere das ganze mal 1000 und Du bist nocht nicht mal nahe dran.

Der hzB wurde dreimal ordentlich auf die Schuhe getreten. Links, rechts (dann war ausgeglichen), aber dann leider nochmal links und immer mit diesen fiesen Holzdingern, weil die ganzen Damen in ihren Yukatas unterwegs waren. Wir nicht, was die hzB angeht bin ich da offen, aber an Westler hier meine Warnung aufgrund persönlicher Überzeugung: Es gibt kaum eine Möglichkeit, als Mann in traditioneller, japanischer Kleidung herumzulaufen und dabei seine Würde zu behalten. _Nicht_ möglich.

Desweiteren jede Menge Imbißstände, die bei keiner deutschen Gewerbeaufsicht so durchgegangen wäre, was Lebensmittelsicherheit u.ä. angeht. Und Bier für 500 Yen pro 330 ml Dose.

Und natürlich, und das ist das wichtigste, KEINE MÜLLEIMER weit und breit, weil natürlich die Millionen von Besuchern dieses Festivals keinen Müll produzieren.

Erkennt jemand die Logik? Genau, ich auch, ich wohne ja auch schon länger hier und es ergibt für mich absolut Sinn: Stehen dort keine Mülleimer, dann kann auch niemand etwas in die Mülleimer hineinwerfen und deswegen entsteht auch kein Müll! Und so tuen wir alle was für die Umwelt.

Ich muss sagen, das Feuerwerk entlohnte schon für einiges, ziemlich spektakulär. Aus Deutschland kennt man ja nur das typische Silvesterspektakel (ich hörte mal von einem US-Amerikaner, der bei seinem ersten Aufenthalt zu Silvester in DE dachte, der dritte Weltkrieg ginge los) oder ein paar Studenten die von einem zweifelhaften Semi-Apotheker noch zweifelhaftere Mengen Kaliumpermanganat und Magnesium besorgen. Hier machen das professionelle Firmen… Guten Tag, meine Spezialität ist Dinge mit einem großen Bumms und Trara in die Luft zu jagen… kein schlechter Job…

die glaube ich sogar, mit ihren verschiedenen Programmen untereinander konkurrierten.

insgesamt ca. 1,5 Stunden Feuerwerksspektakel, wie gesagt durchaus beeindruckend aber… irgendwie kann ich sowas einfach nicht wirklich genießen, einfach zu viele Menschen. Dann ca. 1 Stunde in der schwülen Hitze zurückgelaufen, weil die U-Bahn natürlich dem Ansturm nicht gerecht wurde und alles im Chaos versank. Und nach der Stunde laufen dann nochmal 45 Minuten oder so Heimfahrt im überfüllten Zug.

Mal abgesehen davon, daß man nicht nur nicht sitzen konnte und ein Platz in einem Stadium (also mehr so Sportplatz, ohne Tribüne) 5000 Yen Reservierung gekostet hätte (die wir wahrscheinlich sogar bereit gewesen wären zu bezahlen, wenn es nicht schon ausgebucht gewesen wäre)…

Tokyo scheint ganz nett zu sein, hat halt nur das Problem, daß einfach zu viele Menschen da sind.

Ich habe dann eine Woche später den Kontrast zu K-Stadt gehabt. Wie gesagt, Sommer ist Feuerwerkssaison und natürlich gibt es auch was in K-Stadt. Mit ein paar Bekanten dann eben dorthin gefahren, es war noch nicht einmal das größte und spektakulärste in der Gegend aber… man merkt dann den Unterschied, wenn man in allerletzter Minute kommt, 5 Minuten Fußweg entfernt einfach bei einem McDondalds in der dunklen Ecke des Parkplatzes parkt und eben hingeht, runter zum Flußufer, auf den Rasen und sich halt ein ruhiges Plätzchen sucht. Natürlich sind Leute da, aber eben… aber eben kein Chaos. Alles relaxt.

Sir, die (Fern)Ostfront ist verloren, Sir. Wir müssen K-Stadt aufgeben!

Sir, die (Fern)Ostfront ist verloren, Sir. Wir müssen K-Stadt aufgeben!

Das Feuerwerk war dann zwar nicht so spektakulär (siehe Foto :-) ) wie in Tokyo, aber es war auf der anderen Seite eben auch genießbar.

Ich merke bei sowas irgendwie immer… Tokyo als Metropole ginge mir als dauerhaften Wohnsitz glaube ich mit der Zeit unglaublich auf den Sack. Zu voll, zu wenig Platz, kein einziges, wirklich ruhiges Plätzchen wo man mal abschalten kann. Für ne Zeit ist das alles ganz nett, aber irgendwann… Und für die Bewohner deutscher Großstädte sei an dieser Stelle gesagt: Nicht mal _ansatzweise_ das gleiche!

Videos sind auch vorhanden, wenn ich mal Zeit finde das zu kodieren und hochzuladen…

As for countries, THE CRAZY ARE STRONG WITH THIS ONE.

Monday, July 27th, 2009

Ich weiß auch nicht, die rennen hier irgendwie alle frei und offen rum. Scheint irgendwie gesellschaftlich akzeptiert.

Und nein, dieses Blog wird den Pfad des politisch Korrekten heute nicht im Mindesten verlassen. Ich rede ausdrücklich nicht von geistig behinderten Menschen, sondern von durchgeknallten Verrückten, hochneurotischen Menschen, die prinzipiell normal sind, außer halt…

Ich meine da steige ich Montagsmorgens auf dem Weg zurück nach K-Stadt in die Yamanote und da brüllt halt dieser Typ im Trainingsanzug gegen die Wand und führt dabei so eine Art Fitnessübung/Tanz auf.

Es wirkt halt immer so gesellschaftlich akzeptiert. Ich meine, niemand sagt was, wobei ich das verstehen kann, es gibt bessere Gelegenheiten den Held zu spielen.

Die Verrücktesten, an die ich mich so erinnere, waren zum einen Hermann vom Rauherfeld und der Mann aus der Linie 13B. Hermann war harmlos, laberte halt gerne Leute zu und hatte diesen Tick, daß er immer glaubte, was vergessen zu haben und zehnmal nachkontrollierte.

Der Mann aus der Linie 13B war einfach nur ein harmloser Penner, der einen aber mit der gleichen Tour anlaberte “Entschuldigen Sie, aber ich habe ein Anliegen, daß ich Ihnen gern mitteilen würde blablabla”, man merkte erst nach 5 Minuten, daß er ein bisschen Kohle wollte.

Was mich daran erinnert, daß mich in Charles City mal ein Penner anlaberte und ich ihm, mit gefaktem Akzent auf English sagte, ich verstehe kein Deutsch und er mich dann flüssig auf Englisch anpumpte. Hm. War ich schon ein bisschen beeindruckt und auch irgendwie stolz auf “meine neue Hometown”. Spricht auf jeden Fall definitiv für die Penner in Charles-City (den nervigen Punks traue ich das allerdings nicht zu).

Ich schweife vom Thema ab.

Also Selbstgespräche scheinen total in zu sein. Bei einer Bus- oder Zugfahrt, würde ich sagen ist die Chance bei ca. 70%. Wie wärs mit so Schildern am Heck, “Crazy on board”?! Ich bin mir dann nie sicher, schizophren, hören die Stimmen, oder sprechen die wirklich mit _sich selbst_, ist ja schon ein Unterschied. Aber was erzählt man sich dann so?

Auf jeden Fall verstehe ich jetzt auch endlich, warum sich Bluetooth bei Handys nur so schwer in Japan durchsetzt, wäre ja doch sehr problematisch, plötzlich 50-50 Chance.

Die Combo Movement+Speech gibts eher selten, meist nur eines von beiden. Auf der Fahrt nach K-Stadt ist öfter so Typ dabei, der sich gern rythmisch mit der Hand gegen den Kopf schlägt; beim Warten auf den Bus rennt er regelmäßig Kreise. Armschüttler und Rumfuchtler sind auch groß an der Zahl.

Wer Beweise will, einfach mal auf youtube schauen, kurze Suche ergibt folgende Links, wobei das alles relativ harmlos ist, und den Sachverhalt nicht wirklich exakt genug wiederspiegelt:

http://www.youtube.com/watch?v=lsrCn0JD6ik

http://www.youtube.com/watch?v=OGXJi0opVVE

http://www.youtube.com/watch?v=sYDNJi6odz8

http://www.youtube.com/watch?v=ZRVnjE8ziLI

Leider finde ich das Video nicht mehr, daß 1a geeignet wäre den Sachverhalt zu illustireren, war ein Video einer Frau, die in der U-Bahn rumstolpert, ein Ausländer fragt sie auf Japanisch, ob alles in Ordnung wäre (Fehler!) und sie fasst dann sein Gesicht an und meint, ihr Arzt habe gesagt, sie solle fremde Leute anfassen, sie werde dann gesund werden.

Und wie gesagt, nicht nur Tokyo & Co, auch hier, in der Provinz.

Ich frage mich auch immer, ob das nicht zwangsläufig ist, daß man nach einiger Zeit leben hier … tschuldigung, bin mal gerade eben meinen Kopf gegen die Wand schlagen…. so, also ob das nicht zwangsläufig so ist, daß man nach einiger Zeit leben in Japan halt irgendwelche Neurosen entwickelt…